„Reinigung“ des Pfannwaldsees wäre fatal für Tiere und Pflanzen

BU: Viele Oberöwisheimer Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um vor Ort ihren Unmut über den Zustand des Pfannwaldsees in Oberöwisheim zu äußern.
Viele Oberöwisheimer Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um vor Ort ihren Unmut über den Zustand des Pfannwaldsees in Oberöwisheim zu äußern.
Entschlammung des Pfannwaldsees würde zu einer gravierenden Beeinträchtigung seltener Tier- und typischer Pflanzenarten führen

Informationsaustausch am Pfannwaldsee Oberöwisheim

Kraichtal (sn). „Veronica beccabunga“ und „Caltha palustris“, besser bekannt als Bachbunge und Sumpfdotterblume sowie andere typische Sumpfpflanzen, führen zu einer Bereicherung des ansonsten eher monotonen, gleichartigen Ufers des Pfannwaldsees in Kraichtal-Oberöwisheim. Dieser wurde im Gründungsjahr der Stadt Kraichtal (1971) künstlich, ohne jegliche Flachwasserzonen angelegt. Durch die langsame, natürliche Entwicklung eines Schwemmkegels mit Flachwasserbereichen finden seither viele gefährdete Tierarten wie beispielsweise Amphibien und Libellen bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Dies ist laut Naturschutzverordnung auch erwünscht. „Im Jahr 1989 wurde das mitten im Wald gelegene Gewässer als Naturschutzgebiet „Kleiner Kraichbach“ unter Schutz gestellt“, erinnerte Tina Kassner, Umweltbeauftragte der Stadt Kraichtal, im persönlichen Gespräch mit der an der Entwicklung des Pfannwaldsees interessierten Bevölkerung im Rahmen eines Informationsaustauschs am Montag, 20. November.

Treffpunkt war natürlich am Pfannwaldsee selbst, der seit einigen Wochen aufgrund eines Leserbriefes in den BNN sowie eines öffentlichen Aushangs in Oberöwisheim die Gemüter erhitzt. Aus Sorge um die Zukunft des Gewässers waren auf Einladung von Bürgermeister Ulrich Hintermayer zum Vor-Ort-Termin neben Vertretern der Stadt Kraichtal über 50 Interessierte, überwiegend Oberöwisheimer Bürgerinnen und Bürger sowie zahlreiche Stadträte, erschienen. Schnell wurde dabei deutlich, dass die teils unterschiedlichen Interessen – hoher ökologischer Wert für Flora und Fauna (Naturschutz) und idyllisches Erholungsgebiet (Bevölkerung) – nicht immer so ohne Weiteres „unter einen Hut gebracht werden können“. „Stein des Anstoßes“ für den „Hilferuf“ vereinzelter Oberöwisheimer war unter anderem die Feststellung, der See würde „vergammeln“ und obendrein „zum Himmel stinken“. Bürgermeister Ulrich Hintermayer überließ daher zunächst den Bürgern das Wort. „Die Flächen um den See werden nicht ausreichend gemäht, teilweise wachsen Brennnesseln. Totholz im See wird nicht entfernt. Der See sieht verwahrlost aus“, äußerten Anwesende ihren Unmut. Auch die Parksituation entlang der Straße wurde kritisiert. Menschen mit Behinderung könnten von dort, obwohl ein knapp zwei Meter breiter Parkstreifen extra liegen gelassen wurde, die Bänke am Wasser kaum erreichen. „Die hölzerne Absperrung war notwendig geworden, weil vermehrt direkt bis hin zum Seeufer geparkt wurde“, bestätigte der örtliche Jagdpächter.

Die Umweltbeauftragte der Stadt Kraichtal, Tina Kassner, wies unterdessen auf die Bedeutung des Pfannwaldsees, bei dem besonders naturbelassene Uferflächen wichtig sind für die Rückwanderung der jungen Frösche und Kröten, als Laichgewässer hin. Sie erklärte, dass die „mangelnde“ Pflege aus diesem Grund beabsichtigt war. Die Befürchtung, der Pfannwaldsee könne in wenigen Jahren verlandet sein, wurde ein weiteres Mal zur Sprache gebracht – Ängste, die die Oberöwisheimer bereits sein über 20 Jahren umtreiben. „Tatsächlich hat sich an der Mündung des „Kleinen Kraichbachs“ in den See ein Schwemmkegel ausgebildet; von einer großflächigen Verlandung kann allerdings nicht gesprochen werden“, so die Umweltbeauftragte. Vertreter des Fischervereins Kraichtal wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch eine exzessive Fütterung der Enten und Nutria, die immer wieder beobachtet wurde, zur Verlandung beitragen kann und vor allem die Wasserqualität stark beeinträchtigt. Eine Entschlammung des Sees bedarf der Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde (Regierungspräsidium Karlsruhe), die bislang jedoch, trotz mehrfacher Anträge der Stadt Kraichtal, nicht in Aussicht gestellt wurde. Generelles Ziel weiterer Maßnahmen ist nun, das Naturschutzgebiet besucherfreundlich, unter Beachtung der einzuhaltenden Naturschutzvorgaben, zu gestalten. Bürgermeister Ulrich Hintermayer sagte gegen Ende des Vor-Ort-Termins zu, erneut mit der Oberen Naturschutzbehörde Kontakt aufzunehmen und die Anliegen der Oberöwisheimer Bevölkerung vorzubringen.

Redaktion: Nadja Steinhilper

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