• Neue Landeserstaufnahmestelle in Philippsburg - Die ersten Tage
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  • Landeserstaufnahmestelle in Huttenheim soll geschlossen werden

Neue Landeserstaufnahmestelle in Philippsburg – Die ersten Tage

Stadt und Land informierten auf Bürgerversammlung in Huttenheim

Es ist schon ein seltsames Bild, wenn man auf dem Weg zur neuen Landeserstaufnahmeeinrichtung (LEA) durch das Huttenheimer Gewerbegebiet „In der Kühweid“ läuft. Überall – nicht nur im Umfeld der LEA – stehen entlang der Straßen mannshohe Bauzäune. „Zum Schutz und zur Ausweisung der Wegstrecken“, erklärt uns sinngemäß Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus am Rande der Bürgerversammlung zu den jüngsten Entwicklungen in Huttenheim. „Wie im Ghetto“ sähe das aus, sagt ein älterer Philippsburger und überhaupt: „Wer schützt hier wen?“ Seine Forderung nach einem Rückbau der Zäune wird mit lautem Applaus aus dem Publikum in der brechend vollen Bruhrainhalle bedacht. Was die Zäune angeht, so wird tatsächlich ein Großteil davon wieder entfernt. Das Regierungspräsidium hat sie gekauft um sie – kombiniert mit Planen – als Trennwände in der LEA einzusetzen. Das erläuterte Dr. Martin Steffens vom Regierungspräsidium Karlsruhe, der sich ruhig und bemüht jeder einzelnen Frage aus der anwesenden Bürgerschaft Philippsburgs annahm.

Vor dem „Frage und Antwort – Teil“ der Veranstaltung schilderten er und Bürgermeister Stefan Martus aber zuerst wie es zu dem Schnellschuss in Huttenheim gekommen ist. Demnach erfuhr die Stadt erst am Mittwoch von den Plänen, in dem leerstehenden Gebäude in der Kühweid eine neue LEA zu installieren. Am Donnerstag wurde ein Sicherheitsdienst gebucht, am Freitag kamen die Bauarbeiter und schon am Samstag zogen die ersten Flüchtlinge nach Huttenheim. Zwischenzeitlich sind dort 436 Menschen untergebracht, darunter 166 Kinder. Warum diese – von vielen als überstürzt empfundene Aktion notwendig war, zeigen klar die aktuellen Zahlen. Im Juli kamen 10.688 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg, in den ersten 5 Tagen des August bereits 1686. Alleine in diesen 5 Tagen kamen demnach mehr Menschen als im gesamten Jahr 2007. Jüngst waren es sogar 627 Flüchtlinge an einem einzigen Tag. Die meisten von Ihnen kommen zur LEA nach Karlsruhe, „der“ – wie Bürgermeister Martus sagte – „derzeit bekanntesten Adresse der Welt“. Auffällig ist auch die extrem unausgewogene Verteilung der Flüchtlingsströme innerhalb Baden-Württembergs. So nimmt der Regierungsbezirk Karlsruhe derzeit ca. 70 Prozent der Hilfesuchenden auf, während auf die drei anderen Bezirke nur je ca. 10 Prozent entfallen. Die Behörden versuchen alles um die Unterbringung dieser vielen Menschen zu ermöglichen, die Alternative wäre schlicht Obdachlosigkeit im großem Stile. Schnelles Handeln und Improvisation sind hier gefragt.

„Asyl ist Freestyle“ sagte uns erst kürzlich ein Mitarbeiter des Landkreises – das dürfte den Nagel auf den Kopf treffen.

Die Flüchtlinge in Huttenheim warten derzeit noch auf Ihre Registrierung und die Gesundheitsuntersuchung in Karlsruhe. Erst dann kann begonnen werden, sie auf die Gemeinschaftsunterkünfte im Land zu verteilen. Wie lange die provisorische LEA in Huttenheim gebraucht wird und wie viele Menschen dort noch untergebracht werden, konnte Dr. Steffens nicht beantworten. Vermutlich nicht weil er nicht will, sondern weil er schlicht nicht kann. Die größten Flüchtlingswellen stehen nämlich noch bevor – der Höhepunkt der Bewegungen soll im Oktober erreicht werden.

Wie groß die Unsicherheiten und die Ängste der Bürger in dieser Situation ausfallen, zeigte der eingangs erwähnte „Frage und Antwort – Teil“.  Hier wurden Sorgen um hygienische und gesundheitliche Misstände formuliert, aber auch fragwürdige Vorschusslorbeeren wie Befürchtungen um Einbrüche und sexuelle Übergriffe verliehen. Viele beunruhigt indes die große Zahl an „Fremden“, die von heute auf morgen im Dorf aufgetaucht ist. Bei einer Einwohnerzahl von 2.300 gegenüber 436 Flüchtlingen ist das durchaus nachvollziehbar, doch ist nun Besonnenheit und Offenherzigkeit gefragt. „Die haben Angst und wir haben Angst“ sagte eine Huttenheimerin gegen Ende der Veranstaltung.

„Gehen Sie auf die Menschen zu, holen Sie sie raus aus der Anonymität – Sagen Sie Guten Tag und lächeln sie und sie werden oft ein Lächeln als Antwort erhalten“ gab Bürgermeister Martus seinen Mitbürgern noch mit auf den Weg. Es gilt nun das Beste aus der Situation zu machen. Gehen Sie einfach auf die Menschen zu, die alles zurückgelassen haben um in einem völlig fremden Land um  Hilfe zu bitten. Sie können sicher sein: Keiner hat die strapaziöse Reise und das wochenlange Ausharren in einer Werkshalle auf Stockfeldbetten leichtfertig auf sich genommen. 436 neue Menschen leben nun vorübergehend in Huttenheim – jeder Einzelne hat seine Geschichte.

Redaktion: Stephan Gilliar

 

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