Muss der Irish Pub der Bruchsaler Bahnstadt-Unterführung weichen?

Muss der Irish Pub der Bruchsaler Bahnstadt-Unterführung weichen?
Vor drei Wochen eröffnet – Der neue Irish Pub in Bruchsal

Inhaber von Planungen überrascht

Ganz allmählich bekommt die Bahnstadt – Bruchsals jüngstes Stadtviertel – ein echtes Gesicht. Das Dienstleistungszentrum steht, die Einkaufszeile floriert und irgendwann läuft hoffentlich auch der Wohnungsbau an. Zeit diesem nagelneuen Bruchsal 2.0 ein würdiges Tor zu öffnen. Um in die Bahnstadt zu kommen, müssen in irgendeiner Weise die Bahngleise unter oder überquert werden. Seit vielen Jahren machen sich die Stadtplaner Gedanken, wie man dieses Problem am besten lösen kann – nun scheint eine Entscheidung gefallen zu sein.

In der jüngsten Gemeinderatsitzung hat sich der Rat für ein Modell entschieden, das den Ausbau des bestehenden Bahnhof-Tunnels unter den Gleisen bis zum Bahnhofsvorplatz vorsieht. Ein heller Durchgang soll entstehen, der mit Aufzügen und Rampen auch Radfahrern und Müttern mit Kinderwägen die Passage in Bruchsals neuen Kiez ermöglichen soll. Damit diese Pläne so realisiert werden können, wäre es aber nötig den rechten Gebäudeteil des Bahnhofes abzureißen, der seit vielen Jahren von der Bahn an die Gastronomie verpachtet wird. Bis vor Kurzem war hier das Café Piaf zu Hause, doch vor wenigen Wochen eröffnete dort ein neuer Irish Pub.

Ein Irish Pub wird erst mit dem Alter gut

Genau an dieser Stelle wird die Geschichte leider recht traurig. Die beiden Wirtsleute Paul und Katja, die in liebevoller Handarbeit den Pub aus dem Boden gestampft haben, wussten nach eigener Aussage bislang leider nichts von den Plänen in Sachen Bahnstadt-Portal. Beide kommen aus Mannheim, haben für den Traum vom eigenen Pub ihre Jobs aufgegeben, eine neue Wohnung für sich und eine neue Schule für die Kinder gesucht. Zwar wussten Sie dass Ihr Vertrag befristet ist, doch hatten Sie gehofft langfristig in den Räumen bleiben zu können. „Einen Irish-Pub kannst Du nicht von der Stange kaufen“ erzählt uns Paul „der muss wachsen und wird wie ein guter Whisky mit den Jahren immer besser“.

Muss der Irish Pub der Bruchsaler Bahnstadt-Unterführung weichen?
An Irishman in Bruchsal – Paul und Katja Egan

Paul und Katja sind ein Gewinn für Bruchsal

Tatsächlich standen die Chancen gar nicht schlecht, dass der Bahnhof in seiner Gesamtheit erhalten werden kann, doch nun hat sich der Rat für das radikale Modell des Teilabrisses entschieden. Bewusst sollen die bestehenden Strukturen aufgebrochen werden um dem Platz ein neues Gesicht zu geben. Das hat er zweifelsohne auch dringen nötig – regelrecht verkommen ist das Areal in den letzten Jahren. Nacht für Nacht wird dort gesoffen und gefixt. Das bestätigt uns auch Paul! Jeden Morgen müsse er die Hinterlassenschaften der Nacht wegräumen: Pillen-Packungen, zerbrochene Schnapsflaschen und alte Spritzen. Hätten wir es nicht mit eigenen Augen gesehen, wir würden es kaum glauben können. Eines ist sicher – Paul und Katja tun Bruchsal und dem Bahnhofsvorplatz gut. Die Säufer und Randalierer hat Paul gut im Griff , die Meisten hat er schon erfolgreich vom Hof geleitet – eine Aufgabe die bisher niemand erfolgreich angepackt hat.

Das Gefühl überrumpelt zu sein

Das in einigen Jahren hier schon wieder Schicht im Schacht sein könnte, stößt Paul und Katja bitter auf. Bei Vertragsabschluss habe niemand das Bahnstadt-Portal erwähnt, sind sich beide sicher. Dennoch deutet die Laufzeit von fünf Jahren, die uns Bruchsals Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick telefonisch bestätigte, auf diese einkalkulierte Möglichkeit hin. Diverse telefonische Anfragen bei der Bahn brachten keine neuen Erkenntnisse: Man wüsste zwar von den verschiedenen, in Bruchsal diskutierten Varianten, von der jüngsten Entscheidung im Rat sei aber noch nichts Näheres bekannt. Zugegeben: Hier sollte auch noch etwas abgewartet werden. Bis es konkret werden könnte, geht noch jede Menge Wasser den Rhein runter – der Baubeginn solle frühstens in 2020 in Angriff genommen werden. Auf der Straße stehen Paul und Katja dann übrigens nicht – nur wenige Meter weiter soll ein Neubau der Gaststätte entstehen. Viele Wirte wären davon wahrscheinlich angetan, für Paul jedoch ist das kein sonderlicher Trost: „Ein Irish-Pub passt nicht in einen Neubau – es muss ein altes Gebäude mit Charakter und Geschichte sein“, sagt er geknickt, nachdem er von der ganzen Angelegenheit erst durch den Besuch von den Hügelhelden-Redakteuren erfahren hat. „Warum hat niemand mit uns geredet“ fragt er sich wieder und wieder. Hoffentlich geschieht das bald!

Auf das Beste hoffen

Vorwerfen kann man in der Sache allen Beteiligten höchstens mangelnde Kommunikation. Man hätte die Pächter frühzeitig ins Boot holen und in die Gespräche mit einbeziehen können, vielleicht ist auch etwas an der Sprachbarriere gescheitert – genau lässt sich das nicht mehr sagen.  Doch noch ist nicht aller Tage Abend!  Nun bleibt nur mit einer große Portion irischer Gelassenheit und der durch und durch badischen Weisheit: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird“ weiterzumachen. Wer weiß: Vielleicht wird am Ende ja alles gut – Für Paul und Katja, den Bahnhof und für Bruchsal. Die Chancen dafür stehen gar nicht mal so schlecht.

Redaktion: Stephan Gilliar

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