Kraichtaler Kult-Metzger wirft hin

Kraichtaler Kult-Metzger wirft hin
Schluss, Aus, Vorbei – Martin Kratz hat fertig

Martin Kratz schließt sein Geschäft für immer

Seit 1989 führt Martin Kratz gemeinsam mit seiner Ehefrau Carmen, die Metzgerei seines Vaters bereits in der dritten Generation. Jeden Tag steht er dafür in aller Herrgottsfrühe auf und geht seinem Handwerk nach. Er füllt die Theke mit Fleisch- und Wurst nach traditioneller Herstellung, klopft, hämmert, säbelt in der Küche und hat dann noch Zeit für einen Schwatz mit den Kunden. Von denen gibt es reichlich. Wegen Martins Hausmacher-Spezialitäten kommt man auch schon mal von weiter her nach Unteröwisheim gefahren. Aber auch wegen einem Angebot, das nicht jeder Dorfmetzger bietet:  Schweinefleisch aus Schwäbisch Hall, Mais-Hähnchen, hausgemachte Maultaschen, Suppenklößchen, Schupfnudeln, Kartoffel- und Semmelknödel nach Omas Rezept und und und.

Das Metzger-Handwerk ist nicht für jedermann geeignet. Man braucht einen kühlen Kopf, sollte nicht unbedingt Fördermitglied bei PETA sein, eine ruhige Hand und vor allem Kraft. Eine Rinderhälfte schultert man eben nicht nebenbei. Doch mit der Kraft geht es im Alter bekanntlich ab einen gewissen Punkt nicht mehr gerade steil nach oben. Weil auch bei Martin und Carmen nach fast 50 Jahren in diesem Beruf die Luft entweicht, haben sich beide nun entschlossen die Metzger-Schürzen an den Nagel zu hängen. Doch nicht nur deswegen! Zum Anfang des kommenden Jahres wäre dann noch ein sauteures, neues Kassensystem zur Pflicht geworden – also haben die Kratzens stoisch cool die Reißleine gezogen und während der Faschingspause still und leise ihr Lädle verrammelt.

Das Haus soll nun verkauft werden – mit dem Geld wollen sich Martin und Carmen dann einen kleinen und überschaubaren Altersruhesitz besorgen. Natürlich in Unteröwisheim, wo sonst – lacht Martin und pappt das Plakat mit den Worten „Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen“ an das Schaufenster. Wehmut, dass ist nicht sein Ding. Er freut sich auf eine entspannte neue Lebensphase mit seiner Frau und endlich mehr Zeit für sich selbst. Und weil er selbstredend ein großer Wurst und Fleisch-Fan ist, würde er sich augenzwinkernd über einen Tipp freuen, wo er beides künftig in guter Qualität bekommen kann. Mach´s gut Martin, Mach´s gut Carmen. Ohne euren Fleischsalat und eure Wienerle wird nichts mehr so wie es war.

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