Jungfernhäutchen aus dem Kraichgau

Jungfernhäutchen aus dem Kraichgau
Eine Frau in angstvoller Pose. (Symbolbild Pixabay CC0)

Wie etwas Kunstblut mitunter Leben retten kann

Sex vor der Ehe ist in unseren Breitengraden nichts ungewöhnliches. Meist sammeln junge Menschen ihre ersten Erfahrungen schon als Teenager. Soweit, so normal, doch in manchen Kulturkreisen wird der voreheliche Geschlechtsverkehr immer noch als große Sünde und Schande für die Familie betrachtet. Für manche  junge Musliminnen ist die Hochzeitsnacht daher mit viel Angst und Panik verbunden, da viele von Ihnen nicht mehr über die traditionell von Ihnen verlangte Jungfräulichkeit verfügen. In einigen stark konservativen muslimischen Kreisen, drohen Ihnen bei Bekanntwerden der sogenannten „Beflecktheit“ sogar drastische Konsequenzen, im Extremfall bis hin zum „Ehrenmord“.

Um in der Hochzeitsnacht die Jungfräulichkeit vorzutäuschen, greifen junge Frauen weltweit zu verzweifelten Maßnahmen. Das Einführen von einem Stück Rinderleber in die Vagina, die Präparation einer mit Blut gefüllten Fischblase bis hin zum schnellen Biss in die Fingerkapilare gehören zum Repertoire der ängstlichen Frauen. Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit.

Das Produkt nach der Entnahme aus der Verpackung. Blutgranulat verschlossen in medizinischer Zellulose.

Mitten im Kraichgau haben zwei Tüftler eine künstliche Jungfernhaut entwickelt, die die Defloration fast perfekt simulieren kann. Wir haben den Beiden zugesagt, weder ihre Namen noch die genaue Firmenanschrift in diesem Artikel zu veröffentlichen, da Racheakte getäuschter (Ehe-)männer kein völlig unrealistisches Szenario sind und daher nicht ausgeschlossen werden können.

Angefangen hat alles 2009 als einer der beiden während der Arbeit  durch einen Bericht auf das Problem der jungen Musliminnen in der Hochzeitsnacht aufmerksam wurde. Übers Internet suchte er nach einem Profi der über die Qualifikation und das Wissen verfügt, um ein entsprechendes Produkt auf den Weg zu bringen. Als die beiden Gründer sich schließlich gefunden hatten, entwickelten Sie ein Gebilde aus Zellulose in dessen Mitte das Granulat künstlichen Blutes eingebettet ist. Anfangs wurde dafür noch Rinderblut verwendet, später schließlich reines Kunstblut. Die jungen Frauen führen das Markstück-große Plättchen in die Scheide ein – idealerweise etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr. Durch die Scheidenflüssigkeit löst sich die Zellulose auf und das Blutgranulat verflüssigt sich. Es bleibt so lange an der Scheidenwand haften, bis es durch die Reibung des Gliedes freigesetzt und nach außen befördert wird. Das Ergebnis sind ein paar täuschend echte Blutstropfen, die die „erfolgreiche“ Entjungferung vorgaukeln sollen.

Das künstliche Hymen weniger Momente nach dem Kontakt mit Flüssigkeit. Die Zellulose beginnt sich aufzulösen und das Granulat wird befeuchtet. Dadurch entsteht eine Substanz die frischem Blut täuschend ähnlich sieht. Die Anwendung des sterilen Produktes ist völlig schmerz- und gefahrlos.

Mittlerweile hat das Unternehmen Kundinnen auf der ganzen Welt. Rund 500 der künstlichen Hymen werden Monat für Monat aus dem Kraichgau verschickt. Die Moral ist in diesem Fall ein zweischneidiges Schwert. Einerseits könnte man der Firma die Unterstützung eines archaischen, mittelalterlichen Systems vorwerfen, andererseits muss man aber auch sehen: Durch das Produkt kann tausenden von verzweifelten und (zurecht) zu tiefst verängstigten jungen Frauen geholfen werden.  Denkt man konsequent weiter, kann das kleine Gebilde aus Zellulose sogar Leben retten. Es gibt zwar alternative Produkte auf dem asiatischen Markt, deren Inhaltsstoffe aber zweifelhaft und im Ernstfall eine Bedrohung für die Gesundheit sein können. Die Produkte des Kraichgauer Unternehmens wurden in einem deutschen Forschungslabor entwickelt und verfügen sogar über eine pharmazeutische Kennziffer, so dass sie auch über Apotheken vertrieben werden können.

„Ich würde auch lieber mit einer anderen Ware mein Geld verdienen“ sagt uns dazu der Geschäftsführer im Interview. „Traurig ist nicht, dass wir so ein Produkt herstellen, sondern dass es tatsächlich auch noch heute im Jahr 2017 gebraucht wird“

Ach ja: Wer glaubt dass diese Probleme nur in weit entfernten Ländern zu finden sind… ein nicht zu unterschätzender Anteil der Kundinnen wohnt und lebt mitten unter uns in Deutschland.

Mehr zum Thema: Sexualmoral im Islam (erschienen in der ZEIT am 22. Juli 2016)

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