Heinrich Schimmel, Musketier aus Kronau, gefallen am 03.01.1918

Heinrich Schimmel, Musketier aus Kronau, gefallen am 03.01.1918Angehörige besuchen Grab auf dem Soldatenfriedhof in Nord-Frankreich

Kronau (fsch) Fast einhundert Jahre liegt das traumatische Erlebnis der Vorfahren der Familie Schimmel zurück, als der gerade mal 19 jährige Heinrich Schimmel auf Kronau im ersten Weltkrieg für die maßlosen Machtgelüste der Regenten sein Leben lassen musste. Dabei war der junge Kronauer nur ein Funke in der lodernden Feuersbrunst, die Europa und große Teile der Welt in Schutt und Asche legte.

Und doch beschäftigte der Gedanke an den jungen Soldaten, dessen unmenschliches Vegetieren in den Schützengräben während der letzten Kriegstage des ersten Weltkrieges noch heute die Nachkommen nicht ruhen ließ, bis sie das Grab als Zeugnis seiner einigermaßen würdigen Bestattung vor Augen hatten. Heinrichs letzter Brief kam mit der Feldpost aus dem Schützengraben und hatte die Eltern noch kurz vor dessen brutalem Tod am 03.01. 1918 erreicht und die ständige Angst um den Sohn weiter geschürt und unerträglich gemacht.

Jetzt besuchten die Kinder des Laurentius Schimmel, dem jüngeren Bruder von Heinrich, das Grab des Großonkels auf dem Soldatenfriedhof im fernen Neuville-St. Vaast in Frankreich 60 km südöstlich von Calais. Die Nachfahren hatten den Bestattungsort über den Gräberdienst der deutschen Kriegsgräberfürsorge ausfindig gemacht.. Der Friedhof wurde von den französischen Militärbehörden in den Jahren 1919 bis 1923 angelegt, dorthin wurde der Kronauer Gefallene von seiner Erstbestattungsstelle „Petit Cuincy“ einem Zisterzienser Kloster, Anfang der zwanziger Jahre umgebettet.

Der Augenschein der endlosen Gräberfelder in denen insgesamt 44.000 Soldaten ihre letzte Ruhe fanden , war für die Anverwandten bedrückend und ließ das kaum zu beschreibende Grauen erahnen. 36.753 Einzelgräber tragen die Namen von deutschen Soldaten, 8040 Gefallene von denen nur 842 identifiziert werden konnten, ruhen in einem Sammel- oder, wie es beschwichtigend heißt, Kameradengrab.

Die bis zum Horizont reichenden stählernen Kreuze sind Mahnmale für Angst, Not und Elend, von den Generationen, die von Kriegen verschont bleiben kaum zu verstehendem Grauen. Sie lassen die Angst und die Ströme von Tränen der Eltern, Ehefrauen und Kinder der Gefallenen erahnen und übersteigen doch die Vorstellungskraft der Betrachter. Die Familie Schimmel hat dem Großonkel die letzte Ehre erwiesen, fast einhundert Jahre nach dem dessen gewalttätigen Tod, siebzig Jahre nach dem Ende des noch brutaleren Gemetzels im 2. Weltkrieg und mit stetig präsenten Bildern vor Augen von Krieg und Terror auf der ganzen Welt in der Gegenwart.

Redaktion: Frieder Scholtes

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