Bleib so wie du bist Kraichgau – Wenigstens noch ein bisschen

Bleib so wie du bist Kraichgau - Wenigstens noch ein bisschenEs lebe das Kleine

Eine Liebeserklärung an den Kraichgau von Hügelhelden-Herausgeber Stephan Gilliar

Manchmal muss man die eigenen Jagdgründe verlassen um ein paar essentielle Wahrheiten zu entdecken. Aus der Entfernung ist der Blick oft klarer als aus dem Zentrum allen Treibens. Um den Schädel nach über 3000 Artikeln hier auf hügelhelden.de durchzupusten, habe ich mich ins Auto gesetzt und bin ohne Ziel einfach losgefahren. (Danke an meine Frau und meine freien Redakteure, die das erst ermöglichen und mir für eine Woche den Rücken frei halten). Dass ich das Ländliche liebe und um die Ballungszentren eher einen Bogen mache, dürfte wohl kaum jemanden überraschen. Mit Hügelhelden.de will ich aus einer der letzten ursprünglichen Regionen Nordbadens berichten, von den Menschen die hier leben, was sie antreibt und was sie bewegt.

Der Kraichgau verändert sich dabei ständig – das Kleine läuft Gefahr dem Großen zu weichen. Von oben drückt die Metropol-Region Rhein-Neckar, von unten die Technologie-Region Karlsruhe. Der Speckgürtel und die Trabanten-Siedlungen der Städte breiten sich in unsere ländliche Gegend aus und bringen allerlei Veränderungen mit sich. Die Preise steigen und selbst für eine Ruine die im Netz als „Traum für Heimwerker“ angepriesen wird, sind Minimum 200 Riesen aufwärts fällig. Anstatt sich auf das zu besinnen was unser Hügelland einzigartig macht, lassen sich auch unsere Politiker immer mehr von hochtrabenden Visionen aus der großen Stadt anstecken. In Bruchsal entsteht ein Stadtviertel für gut verdienende Pendler, Bretten will gleich zwei  XXL-Gesundheitszentren und in Eppingen werden Mega-Supermärkte gebaut. Alles muss größer und schneller werden: Die Straßen, das Internet, und und und.

Dabei liegt das was unseren Kraichgau liebenswert macht nicht im Großen sondern vielmehr im Kleinen begründet. Es sind die Menschen, das Schrullige und das Individuelle auf welchem das Lebensgefühl hier begründet ist. Wenn in Weiher Erwachsene Rennen auf Feldfräsen austragen, wenn die Odenheimer jeden noch so kleinen  Grund zum Anlass für ein Fest nehmen oder die Eppinger im Elsenzer See in aneinander getackerten Futterfässern auf Grund laufen – Die Menschen hier wissen: Im Kleinen liegt die Schönheit. Die große weite Welt darf ruhig ihr Ding durchziehen, aber bitte nicht hier bei uns. Wenn wir etwas aus Karlsruhe, Mannheim oder Heidelberg brauchen, dann fahren wir hin  – es ist nicht nötig unser Revier in Außenposten dieser Städte zu verwandeln. Dass wir uns in vielerlei Hinsicht jeglicher Veränderung gegenüber verweigern, empfinde ich nicht notwendigerweise als Wesensschwäche. Ist es nicht legitim ein lieb gewonnenes System hochzuhalten und gegenüber Veränderungen zu verteidigen? Nicht alles Neue bringt zwangsläufig eine Veränderung zum Guten mit sich. Schon klar, Leben bedeutet Veränderung – Stillstand bedeutet Tod. Ebenso heißt es aber: Eile mit Weile.

Wir wollen uns der großen weiten Welt nicht versperren – uns dem Fortschritt nicht verweigern. Aber kann es uns jemand verübeln dass wir Veränderungen gegenüber sehr kritisch sind – haben wir doch viel zu verlieren! Die Bayern sagen: „Mia san mia“ und werden vom Rest der Republik dafür belächelt. Dabei haben Sie damit so verdammt recht! Gerade sitze ich hier mit meinem Laptop in Bayern in einem kleinen Dörfchen mit wenigen hundert Einwohnern. Die Bauern sind auf dem Feld zugange und aus der Küche des Gasthofes höre ich die 75-Jährige Oma in Kittelschürze mein Schnitzel durchklopfen. Es ist ruhig hier, friedlich und unaufgeregt – genau wie bei uns zuhause im Kraichgau. Dort ist meine Heimat, die ich liebe und ehre. Bitte bleib so wie du bist, mein Land der tausend Hügel…wenigstens noch ein bisschen.

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