Die Eppinger Parkhaus-Saga geht weiter

Die Eppinger Parkhaus-Saga geht weiter
Parkplatz-Variante Nummer 10 – Freestyle-Parking

Nach dem Scheitern im ersten Anlauf, stehen nun neun neue Parkhaus-Varianten zur Diskussion

Beginnen wir diesen Artikel mit einer Tatsache über die sich alle einig sind: In Eppingen gibt es zu wenig Parkplätze und deshalb müssen eben solche entstehen! Einigermaßen einig ist man sich zudem darüber, dass ein Parkhaus in der Innenstadt eine gute Möglichkeit wäre diesen Parkplatz-Mangel zu beheben. Doch hier stößt der Konsens dann auch schon wieder an seine Grenzen. Für unterschiedliche Meinungen braucht es natürlich auch unterschiedliche Positionen. Zum einen wäre da die Stadtverwaltung Eppingen und auf der anderen Seite die Bürgerinitiative und deren Sprecher Helmut Theessen und Bernd Röcker. Die Gruppe hatte sich gebildet als vor Jahren die Planungen für das Parkhaus konkret wurden. Unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit wurde damals ein Konzept erarbeitet, das das Erscheinungsbild der Stadt nicht nur negativ verändert hätte, sondern es auch um historisch wichtige Gebäude wie die Süßmosterei und den Ratskeller beraubt hätte, so schildert uns die Bürgerinitiative ihre Wahrnehmungen bei einem Pressetermin. In einem ersten Entwurf wurde nicht nur ein Parkhaus in der Wilhelmstraße geplant, sondern auch direkt daran anschließende Flächen für den Einzelhandel. Da hierfür aber keine potentiellen Mieter gefunden werden konnten, blieb zuletzt nur das Parkhaus. Dafür sollte die Süßmosterei weichen um die Parkdecks direkt zum Schulhof der Grundschule aufschließen zu lassen. Doch auch dieses Projekt fiel durch ausufernde Kosten schlussendlich in sich zusammen. Am 29. Juli hat die Stadtverwaltung deshalb die Reißleine gezogen, da die Gesamtkosten um rund 600.000 Euro auf insgesamt rund 4,2 Millionen Euro anzusteigen drohten. Die bisher eingesetzten Planungskosten waren somit unwiederbringlich verloren.

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Die Rebellen – Die Bürgerinitiative lässt nicht locker

Spiel´s noch einmal Sam

Also, alles auf Anfang. Das Karlsruher Planungsbüro Obermeyer wurde nun mit einer neuen Machbarkeitsstudie beauftragt. Um diese Studie nicht durch die Erfahrungen der letzten Planung einzuschränken, wurde den Obermeyer-Planern lediglich die Prämisse „Wir brauchen mindestens 180 Parkplätze“ auferlegt. Die Ergebnisse dieser Überlegungen wurden nun am Dienstag dem Gemeinderat vorgestellt. Insgesamt neun Varianten liegen nun auf dem Tisch (die Bürgerinitiative berichtet gar von elf) Diese Varianten decken so ziemlich alles ab: Viele Parkplätze, wenige Parkplätze, breite Parkplätze, schmale Parkplätze, Erhalt der Süßmosterei, Abriss der Süßmosterei, Erhalt des Ratskellers, Abriss des Ratskellers, Abriss des Kesselhauses, Erhalt des Kesselhauses und und und…. Alle Varianten sind über die Homepage der Stadt Eppingen abrufbar – die rund 50-seitige PDF-Datei enthält auf den ersten 25 Seiten allerdings nur Obermeyer-Projekte und Eigenwerbung. Für die Bürgerinitiative käme Variante Zwei ihren Vorstellungen am ehesten entgegen. Diese Variante sieht zwei Parkebenen vor, von denen die obere über die Ludwig-Zorn-Straße und die untere wie bisher über die Wilhelmstraße erreichbar wäre .  Diese getrennt befahrbaren Ebenen ohne aufwendige Auf- und Abfahrten, könnten nach Ausführungen der Initiative die Kosten des Projektes deutlich senken. Da Eppingen sowieso eine überdurchschnittlich hoch verschuldete Gemeinde sei, befürchtet sie, dass ein teures Parkhaus viele Möglichkeiten, soziale und kulturelle Vorhaben zu fördern, abtöten könnte. Zudem stelle ein Parkhaus, neben den zu erwartenden Parkgebühren, für zu viele potenzielle Nutzer eine zu große Hemmschwelle dar. Zu bedenken ist auch, dass ein so kleines Parkhaus mit eingeschränkten Nutzungszeiten über Jahrzehnte hinweg dem Stadtsäckel hohe permanente Zuschüsse abverlange. Zudem böte die bevorzugte Variante die mögliche Nutzung sowohl des Oberdecks als Veranstaltungsfläche, als auch die Nutzung der Süßmosterei für die benachbarte Schule und für Vereine. Dies wären Maßnahmen zur Belebung der Innenstadt, die letztlich auch den Geschäften und der Gastronomie mehr Leben bringen.
Modernisieren mit der Substanz und nicht gegen die Substanz – so könnte man die Leitlinie der Bürgerinitiative zum Erhalt des eigenständigen Gesichtes von Eppingen umreißen.

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Einkaufsmagnet? Die Brettener Straße in Eppingen

Welche Variante die Stadt bevorzugt, nach welchen Kriterien die Auswahl getroffen wird und wie die Bürger in diese Entscheidung mit einbezogen werden, ist derzeit noch nicht bekannt. In der Presseerklärung der Stadt finden sich zumindest keine Antworten auf diese Fragen. Der Bürgerinitiative greifen die Überlegungen in Sachen „Parkplatz-Erschließung“ zudem nicht weit genug. Für sie wären mehrere Parkareale nötig um für Gäste attraktiv zu werden. Für Besucher die aus Richtung Heilbronn nach Eppingen einfahren, wäre seit der Einbahnregelung der Bahnhofstraße eine Fahrt durch die Altstadt notwendig um das Parkhaus in der Wilhelmstraße zu erreichen. Eine zweite Parkfläche auf dem Bahnareal  würde hier Abhilfe schaffen, gerade auch in Hinblick auf die Gartenschau deren Schwerpunkte ohnehin entlang der Wasserläufe liegen.

Vergessen sollte man bei all diesen Überlegungen auch nicht die Entwicklung der innerstädtischen Einkaufsmöglichkeiten. Filet-Grundstücke wie das Rössle-Areal lagen jahrelang ungenutzt da und durch die Stärkung des Hecker-Areals dürften die wenigen Läden im Zentrum weiter unter Druck geraten. Ein Lichtblick stellt hier die Umgestaltung des ehemaligen Kaufhauses Gelbarth und der Fläche vor der Stadtbücherei dar. Hier soll neuer moderner Raum für Ladengeschäfte entstehen – der private Investor will dabei auch für entsprechende Parkflächen auf dem Gelände sorgen.

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Wird der alte Ratskeller am Ende doch noch fallen?

Trotzdem stellt sich hier die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei. Was kommt zuerst – Parkplätze oder florierender Einzelhandel? Denn wem würde am Ende das schönste Parkhaus nützen, wenn man von dort aus kaum lohnenswerte Ziele ansteuern kann?

Die Bürgerinitiative hat in jedem Fall noch erheblichen Redebedarf, der von der Stadtverwaltung bisher kaum erwidert wurde. Daher hat die Gruppe nun alle Stadträte und die Bürgermeister in den Ratskeller zur Diskussion aller Varianten eingeladen. Wie Helmut Theesen nun mitteilte, hat Oberbürgermeister Klaus Holaschke das Gesprächsangebot angenommen und wird sich heute mit den Mitgliedern der Bürgerinitiative an einen Tisch setzen. Wie es nun in Eppingen weitergeht? Wir berichten nach.

In diesem Bereich soll das neue Parkhaus entstehen:

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