Die Disco ist tot

Die Zeit der Tanztempel ist vorbei

Nun hat es also auch das A5 bei Karlsdorf getroffen. Angefangen hatte dort alles Anfang der 2000er unter dem Namen „Dancecenter 21“, zum Schluss hieß das ganze dann „Discoplex A5“ bzw. „Vibez Club“ in den allerletzten Tagen anno 2015. Nun läuft das Insolvenzverfahren und die Discokugel im A5 setzt Staub an. Damit ist der Tanztempel der bis zu 5000 Gäste aufnehmen konnte bei weitem nicht allein. Erst kürzlich mussten mit dem Dub CLub in Bruchsal und dem E2 in Eppingen zwei weitere Locations schließen. Viel tanzbarer Raum ist im Kraichgau nicht geblieben. Da gäbe es noch das Kinki Palace in Sinsheim, das Malinki und den Tanzpalast in Bad Rappenau sowie das Labbaduddel in Zaberfeld, mehr fällt mir ad hoc nicht mehr ein.

Aber wollen wir ehrlich sein – die goldenen Jahre der Disco sind einfach vorbei. Ähnlich wie bei den großen Kaufhäusern und den Videotheken hat die Leichenstarre im Grunde schon vor Jahren eingesetzt. Was sind die ersten Bilder die Ihnen zu dem Wort „Disco“ einfallen? Ich bin sofort in den 70ern, höre Songs von „Hot Chocolate“, „Baccara“ oder „Sister Sledge“. Dazu sehe ich Afros, Rollschuhe, pailletten-besetzte Sonnenbrillen und jede Menge Spiegel – die volle Packung Klischee eben.

Ich vermisse die Dorf-Disse

In meiner Jugend in den 90ern gab es zwei Arten von „Dissen“. Die abgehobenen in den Städten und die Bauern-Dissen auf dem Dorf. Erstere habe ich immer gehasst. Dort ging es immer so pseudo-elitär zu. Mondpreise, arrogante Türsteher und das Schickeria-Pack mit Gel in den Haaren. Unsere Dorf-Discotheken habe ich dagegen geliebt. Die hatten noch ehrliche Namen wie „Malibu“ oder „Miami“ (in den 80ern und 90ern waren die Amis noch echte Vorbilder für uns) und wurden so einfallspinselig geführt, dass es schon wieder liebenswert war. Dort hießen die DJ´s nicht „Atomic4energy“ oder „XR Jay Thunderbolt“ sondern „Rainer“ oder „Bernd“. Das Bier kostete 3 Mark und nicht 6 Euro Fuffzig. Einen Dresscode gab´s keinen und nach einem erfolgreichen Bezirksliga-Spiel saß auch die Mannschaft des VfB Wasweisich in der Ecke und kippte ihre Stiefel. Die Dekoration war einfach gehalten – keine passiv beleuchteten Sichtbeton-Elemente sondern Spanplatten und blinkende bunte Glühbirnen. Ach ja – Schwarzlicht war auch immer Trumpf! Das erste was ich von meinen weiblichen Disco-Eroberungen (damals im Midnight in Waldenburg) gesehen habe, waren die grell strahlenden weißen Zähne im Licht der Schwarzlicht-Röhre.

Irgendwann Ende der 90er ging es mit den kleinen Dorf-Discos den Bach runter und in den Gewerbegebieten schossen die Großraum-Discos aus dem Boden. Hier hieß es dann Masse statt Klasse. Und als das alleine nicht mehr zog, setzten die Betreiber dann unter Aufgabe von Moral und Ethik (falls vorher überhaupt vorhanden) auf den Besucher-Magneten Nummer 1: Alkohol! „Jede Lady erhält einen Sekt umsonst“, „Zahle 1 bekomme 2“, „Eimersaufen“, „Zu jeder Flasche Vodka gibt´s 10 Dosen Bull umsonst“ – damit ging es los. Es endete mit Blondinen in Unterwäsche die den Gästen den Billigfusel direkt aus der Flasche in den Hals gekippt haben. Lasst mich ehrlich sein – wenn so ein Schuppen schließt, dann kann das der Menschheit im Ganzen nicht wirklich schaden.

Aber keine Sorge – alles kommt wieder. Auch Discos werden ihre Auferstehung feiern. Dann wenn die Generation Smartphone geschnallt hat, dass ein lebender, atmender Zeitgenosse besser ist als sein Pendant im Web, dann wenn wir alle einsam zu Hause sitzen und uns nach zwanglosem und ehrlichen Miteinander sehnen – dann drehen sie sich wieder – die guten alten Spiegelkugeln. Dann pilgern wir in die „Waikikis“ und „La Bambas“ und tanzen zu den alten Klassikern. Und jetzt alle: D.I.S.C.O.

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