Der Kraichgauer Nitrat-Hammer

Der Kraichgauer Nitrat-Hammer
Die letzte Wasseruntersuchung von Egon Schäfer – Zu viel Nitrat im Trinkwasser

Nitrat – Eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Gesundheit

In Bruchsal, Bretten, Bad Schönborn und Karlsdorf-Neuthard wurden die Grenzwerte mancherorts im Grundwasser überschritten.
Das Trinkwasser ist nicht betroffen!

Egon Schäfer lebt seit 35 Jahren im alten Resthof seiner Familie zwischen Bretten und Bruchsal. Da sein Häuschen zu weit abgelegen ist, kam ein Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung nicht in Frage. Deshalb fördert ein kleiner Brunnen im Hof das wenige Trink und Brauchwasser, das Egon Schäfer für seinen Alltag benötigt. Einmal im Jahr verlangt das Gesundheitsamt eine Wasseranalyse von Egon Schäfer, die dieser für ein paar hundert Euro bei einem Labor in Auftrag gibt. Die Werte erschrecken den Rentner immer wieder, denn Jahr für Jahr liegt der gemessene Nitratwert bei weit über 70 Milligram pro Liter – der offizielle Grenzwert liegt hierzulande bei 50!

Trinken möchte Egon Schäfer sein Wasser schon lange nicht mehr, zu groß sind für Ihn die Risiken. Er weiß, dass Nitrat im Körper leicht zu gefährlichem Nitrit umgewandelt werden kann. Besonders Säuglinge sind davon gefährdet. Bei ihnen kann die Chemikalie bewirken, dass der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, zum Methämoglobin umgewandelt wird. Dadurch wird nicht mehr genügend Sauerstoff zu den Zellen transportiert, was in Extremfällen bis zum Tode führen kann. Bei Erwachsenen besteht diese Gefahr zwar nicht, doch auch bei ihnen kann im Körper Nitrat zu Nitrit werden. Sollte sich dieses dann mit sogenannten Amiden oder Aminen verbinden, entstehen Verbindungen die im dringenden Verdacht stehen Krebs auszulösen – das legen mehrere Tierversuchsstudien nahe.

Der Kraichgauer Nitrat-Hammer
Einer der Hauptgründe für zu viel Nitrat im Boden – Die Düngung mit Fäkalien
An mehreren Orten in der Region liegen die Werte im roten Bereich

Dass in unserer ländlichen Region jede Menge Nitrat im Grundwasser zu finden ist, dürfte nicht weiter überraschen. Durch jahrzehntelange intensive Landwirtschaft und der damit einher gehenden Düngung der Felder, sind die zulässigen Grenzwerte vielerorts überschritten. In Bruchsal, Bretten, Gondelsheim, Karlsdorf-Neuthard, Stutensee und Waghäusel hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz BW in Karlsruhe bei jüngsten Beprobungen in manchen Entnahmestellen Messwerte jenseits der erlaubten 50 Milligramm pro Liter festgestellt. Wichtig dabei zu wissen ist: Grundwasser ist nicht gleich Trinkwasser. Bevor das Wasser bei Ihnen aus dem Hahn kommt, durchläuft es strenge Kontrollen und einen intensiven Aufbereitungsprozess. Verbraucher können das Leitungswasser in der Region also völlig gefahrlos verwenden. Die Trinkwasserverordnung stellt eine dauerhafte Versorgung mit Wasser sicher, dessen Messwerte sich innerhalb der erlaubten Toleranzen bewegen.

Doch was das Grundwasser angeht, muss etwas geschehen. Besserung dieser unhaltbaren Umstände könnte nun durch Druck der EU auf Deutschland in Aussicht stehen. Die EU-Kommission hat Deutschland beim Europäischen Gerichtshof verklagt. Der Vorwurf: Die Bundesrepublik unternähme seit Jahren – trotz Kenntnis der Situation –  zu wenig um die Binnengewässer zu schützen. Sollte der EuGH Deutschland schuldig sprechen, drohen sechsstellige Strafzahlungen – pro Tag.

Der Kraichgauer Nitrat-Hammer
Meist mit hohen Nitratwerten belastet: Blatt und Wurzelgemüse
Was sollten Sie nun tun?

Als normaler Wasserkunde brauchen Sie sich keine Sorgen machen. Die Wasserversorgung aus der Hausleitung durch Stadtwerke und Co wird streng kontrolliert und unterliegt hohen Standards in der Qualitätsuntersuchung. Die Nitratwerte im regulären Trinkwasser sind also absolut unbedenklich. Die jüngsten Wasseranalysen im Versorgungsnetz der Stadtwerke Bretten ergaben lediglich einen Nitratanteil von 9,2mg/l, bei den Stadtwerken Bruchsal sind es exakt 9,0 mg/l – zur Erinnerung: Der Grenzwert liegt bei 50 mg/l.

Sollten Sie nicht an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen sein und ein Baby haben, verwenden Sie lieber Mineralwasser aus dem Handel, dass explizit zur Herstellung von Säuglingsnahrung geeignet ist. Erwachsene können selbst Wasser mit erhöhten Nitratwerten zu sich nehmen. Bedenken Sie aber: Auch durch den Verzehr von Gemüse nehmen sie die Chemikalie über die Nahrung zu sich. Das bayrische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit schreibt dazu:

Vor allem Blatt- und Wurzelgemüse wie Kopfsalat, Feldsalat, Mangold, Spinat, Rettich, Radieschen, Rote Beete und ganz besonders Rucola weisen mitunter hohe Nitratkonzentrationen auf (Nitratwerte von deutlich über 1.000 mg/kg). Im Vergleich dazu ist gerade beim Fruchtgemüse wie Tomaten, Paprika, Gurken, Bohnen oder Erbsen nur ein relativ geringer Nitratgehalt (unterhalb 500 mg/kg) festzustellen:

Bei aller Sorge gilt es aber auch einen Blick auf die Entwicklung in ganz Baden-Württemberg zu werfen. Laut Umweltminister Franz Untersteller ist demnach in den letzten 20 Jahren die Nitratbelastung des Grundwassers um rund 22 Prozent zurückgegangen. 2012 und 2015 seien die Jahre mit der geringsten Grundwasserbelastung seit Anfang der Messungen 1994, so Untersteller gegenüber dem SWR.

Ähnlicher Artikel

Weihnachtsgans wie bei Oma

Weihnachtsgans wie bei Oma

Im Brettener Hirschen schmeckt Weihnachten wie es sein soll Kennen Sie das Bild auch noch?…
Der frühste Nikolaus im Kraichgau

Der frühste Nikolaus im Kraichgau

Im Tierpark Mingolsheim kommt der Weihnachtsmann schon im November Joa is denn heit scho Weihnochtn?…
Bretten singt

Bretten singt

Der Landeschorwettbewerb und die Chornacht begeistern Am Wochenende dürfte es im Lande kaum einen anderen…
Bruchsalerin bringt beim RTL Supertalent Bruce Darnell zu Fall

Bruchsalerin bringt beim RTL Supertalent Bruce Darnell zu Fall

Guter Auftritt, holpriges Ende Es hätte eine gute Show für Nadja Ayche aus Bruchsal werden…