Böse Zungen spalten Sulzfeld

Wie falsche Gerüchte eine Gemeinde belasten können

Dort wo Menschen miteinander leben, dort entstehen auch Gerüchte – das war immer so und das wird auch immer so sein. Meistens sind diese Gerüchte harmlos, es geht um Liebeleien, das alte „Wer mit Wem“ und eben alles was mit flüchtigen Blicken über Zäune und Hecken so aufgeschnappt wird. Mitunter sind Gerüchte sogar hilfreich, denke man nur an wohlwollende Mundpropaganda die Ärzten neue Patienten verschafft oder bemühten Händlern neue Kunden. Doch es gibt auch eine Kehrseite dieser Medaille! Gerüchte können auch schlicht böse und über alle Maßen destruktiver Natur sein. „Gerücht ist eine Pfeife, die Argwohn, Eifersucht, Vermutung bläst“ hat William Shakespeare schon vor einigen Jahrhunderten gesagt und behält damit bis heute recht.

Böse Zungen spalten Sulzfeld
Oben: Die geplante Unterkunft in der Riegelstraße, unten jene in der ehemaligen „Rose“

In der 4.700 Seelen-Gemeinde Sulzfeld verrichten Gerüchte der letzt benannten Kategorie seit Wochen bereits ihr zerstörerisches Werk. Stein des Anstoßes ist wie gerade überall im Land die Flüchtlingskrise. Bisher leben in Sulzfeld nur eine Hand voll davon, doch sollen schon bald mindestens 150 von Ihnen folgen. Untergebracht sollen Sie in einem leerstehenden Gebäude in der Riegelstraße und einer Gaststätte in der Mühlbacher Straße werden. Bei einer Bürgerversammlung hat die Gemeindeverwaltung die Menschen im Ort über die anstehenden Einzüge informiert und stieß an besagtem Abend größtenteils auf Wohlwollen und Hilfsbereitschaft. Doch kurze Zeit später trudelten anonyme Emails und Briefe im Rathaus ein in denen schwere Vorwürfe gegen die Verwaltung und insbesondere Bürgermeisterin Sarina Pfründer erhoben wurden. So solle Sie mit Absicht die Flüchtlinge nach Sulzfeld geholt haben und decke sogar deren bisheriges kriminelles Verhalten. Tatsächlich keimten bereits zur selben Zeit die ersten Gerüchte im Dorf auf:  Flüchtlinge sollen im örtlichen REWE-Markt stehlen und die Bürgermeisterin würde sie danach abholen und den Schaden aus der Gemeindekasse bezahlen. Oder: Die Gemeinde helfe dabei Flüchtlingen alkoholische Getränke zu beschaffen…

Böse Zungen spalten Sulzfeld
Marktleiter Markus Ströhmann

„Alles Schwachsinn“, sagt der Marktleiter Markus Ströhmann. „Es gab einen einzigen Fall, in dem ein Flüchtling noch im Markt eine Tafel Schokolade aufgerissen habe um Sie dann aber anschließend sofort an der Kasse zu bezahlen – das war es aber auch schon“ erzählt uns der sichtlich gestresste Kaufmann. Auch er muss seit Wochen den vernichtenden Feldzug der bösen Gerüchte in Sulzfeld miterleben. Diese scheinen bei den Menschen indes auch auf fruchtbaren Boden zu fallen! Bis zu 100 mal am Tag muss Markus Ströhmann fragenden Kunden beteuern, dass an den Aussagen über Ladendiebstähle nichts dran sei.

Doch damit nicht genug

Besonders gezielt wirken die Angriffe aus dem Hinterhalt in Bezug auf die ehemalige Gaststätte „Rose“ in der Mühlbacher Straße. Hier sollen ebenfalls demnächst Flüchtlinge aus Krisenländern untergebracht werden. Bis vor Kurzem war die „Rose“ noch für die Sulzfelder geöffnet, schloss aber zum 25. September. Mit den Flüchtlingen hat das wenig zu tun – das Gebäude war bereits mehrere Male wegen darauf lastender Schulden zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben und wurde nun schlussendlich von einem Investor übernommen, der es dem Landkreis vermietete. Für böse Zungen war die Schuldige in dieser Angelegenheit schnell ausgemacht: Die Bürgermeisterin muss das gedeichselt haben, schließlich arbeitet ihr Mann ja bei jener Bank die die „Rose“ abgewickelt hat – eine Bank die mehrere hundert Mitarbeiter hat!

Böse Zungen spalten Sulzfeld
Bürgermeisterin Sarina Pfründer

Wie absurd diese Gerüchte anmuten, lässt sich leicht erkennen wenn man Ihnen mit Logik zu Leibe rückt. Zunächst einmal sei gesagt: Was die Verteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen angeht, ebenso wie die Anmietung und der Kauf von entsprechenden Wohnobjekten, haben Bürgermeister und Verwaltung exakt nullkommagarnichts mitzureden und zu entscheiden. Sie werden in der Regel sehr kurzfristig informiert und fungieren dann notgedrungen eher als Erfüllungsgehilfen.

Ein Beispiel: Die Einrichtung der provisorischen Landeserstaufnahmeeinrichtung in Philippsburg wurde dem Stadtoberhaupt Stefan Martus drei Tage vor Einzug der ersten Bewohner angzeigt – Widerstand zwecklos. Zum Mitschreiben: Sarina Pfründer hatte zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit sich den Weisungen von Landkreis und Regierungspräsidium zu wiedersetzen – sie muss deren Entscheidungen lediglich umsetzen. Als verantwortungsvoll handelnder Ort war es darüberhinaus für Sulzfeld völlig klar, dass man sich wie alle anderen Kommunen an den drängenden Fragen der Flüchtlingskrise beteiligt.

Was die anderen Gerüchte angeht: Welchen Grund sollte die Bürgermeisterin haben eine gut angenommene Gaststätte aus dem Ort zu verbannen? Ganz im Gegenteil! Sie hat explizit den Landkreis gebeten, die Gasträume weiter der Inhaberin der „Rose“ zur Pacht zur Verfügung zu stellen. Was hätte eine Bürgermeisterin zudem davon, kriminelles Verhalten von Flüchtlingen zu subventionieren? Die Wahrheit ist: Schlicht nichts! Rückt man dem vergifteten Tratsch mit Logik zu Leibe, zerfällt er zu Staub. Doch das ist die Natur eines Gerüchtes: Es ist dumm, hohl und blind – leider aber auch schnell. „Das Gerücht ist blind, aber es läuft schneller als der Wind“ heißt es im Volksmund. Doch wie soll man nun damit umgehen? Markus Ströhmann ist derart gefrustet, dass er die Sache offensiv angehen will. Er will den Verleumdungen mit einer Informationsoffensive Herr werden.

Für Sarina Pfründer und die Gemeinderäte ist die aus jedem Ruder gelaufene Gerüchteküche einfach nur unendlich belastend. Bei der Kirchweih im Ort haben sich viele Gemeinderäte kürzlich schon nach Minuten wieder in ihre Häuser und Büros geflüchtet. Nicht ertragbar waren die Wellen böser Blicke und Gezischel die Ihnen dort entgegen schlugen.

Doch was braucht es für Sulzfeld nun um diesen zersetzenden Gerüchten Einhalt zu gebieten? Die Antwort ist ebenso leicht wie schwer: Herz und Verstand! Glauben Sie nicht alles was Ihnen erzählt wird, denken Sie nach und hinterfragen Sie die Logik und Sinnhaftigkeit des Gehörten. Unterschätzen Sie niemals die Kraft die eigenen und souveränen Gedanken zu eigen ist. Mit bösen Gerüchten schlägt sich die Menschheit nicht erst seit gestern herum! Im wichtigsten indischen Epos aus dem Jahr 400 nach Christus war schon wortwörtlich zu lesen: „Wer sich um die üble Rede anderer nicht kümmert, besiegt alles!“

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