Begegnungsfest mit Flüchtlingen aus dem Praktiker-Markt

Appell für eine „gelebte Solidarität“

Es war eine einzigartige Möglichkeit, sich kennen zu lernen: Am vergangenen Freitag hatten die Stadt Bruchsal, in Zusammenarbeit mit dem Ehrenamtsnetzwerk „Praktisches Miteinander“, alle 410 Flüchtlinge, die im früheren Praktiker-Markt untergebracht sind sowie die Vertreter aus Politik, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen, Ehrenamt und der Polizei, in die Heidelsheimer Sporthalle eingeladen. „Wir veranstalten dieses Fest auch deshalb, damit Sie sich untereinander noch besser kennenlernen können“, erklärte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in ihrer Ansprache, die auch in Arabisch, übersetzt von Nivert Kretschmer, und Englisch, übersetzt von Nathalie Messer, als Präsentation erschien.

Der Gemeinschaftsgedanke stehe im Mittelpunkt dieses Abends, auch bezüglich der über 250 Ehrenamtlichen, die die Flüchtlinge in ihrem Alltag mit Sprachkursen, durch die Begleitung bei Behördengängen oder mit einer sinnvollen Freizeitgestaltung unterstützten. An Infoständen konnten sich die Besucher über die vielfältigen Angebote informieren. So werden etwa von einer Handwerkergruppe Arbeitseinsätze bei Vereinen organisiert, in der Kreativgruppe spielt man Theater, musiziert gemeinsam oder gestaltet die Wände der Unterkunft. Außerdem gibt es regelmäßig Fußball, Kochen und Schach, um nur einige der Möglichkeiten zu nennen. Cornelia Petzold-Schick verwies darauf, dass alleine das Bundesamt für Flüchtlinge (BAMF) in Karlsruhe über die Registrierung und den Verlauf des Asylverfahrens entscheide. Dieser Prozess könne sich sehr lange hinziehen. Die Wartezeit sollten die Männer sinnvoll nutzen. Dies sei keine einfache Zeit in Deutschland; viele Menschen hätten Angst, fügte die Oberbürgermeisterin hinzu. Bisher gebe es aber gute Rückmeldungen von der Bevölkerung. So hätten die jungen Männer mit angepackt, als ein Auto liegengeblieben war. „Helfen Sie mit, dass dies so bleibt“, so ihr Appell.

Auch Ortsvorsteherin Inge Schmidt hieß die Flüchtlinge willkommen. Die bisherigen Treffen von heimischen Ehrenamtlichen mit den Bewohnern der Gemeinschaftsunterkunft seien bisher immer herzlich und von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen. „Sorgen Sie dafür, dass die gute Stimmung und die gelebte Solidarität erhalten bleiben“, wandte Sie sich an die Flüchtlinge. Sie dulde keinerlei Übergriffe und auch kein frauenverachtendes Verhalten. Gleichwohl sei ihr bewusst, dass das in Köln an den Tag gelegte Verhalten auf den Großteil der männlichen Flüchtlinge nicht zutreffe. Auch die beiden für die Gemeinschaftsunterkünfte zuständigen Polizeibeamten Ulrich Gaukel und Ullrich Scherer bestätigten die weitgehend entspannte Atmosphäre in der Gemeinschaftsunterkunft. Sie stehen mit den hauptamtlichen Mitarbeitern der Einrichtung und den Gewerbetreibenden des angrenzenden real-Marktes, der Raststätte und der Tankstelle in engem Kontakt und zeigten sich sehr zufrieden. Abgesehen von einigen Auseinandersetzungen zwischen den Mitbewohnern der GU und zwei Ladendiebstählen, gebe es bisher keine Vorkommnisse zu vermelden. „Wir sehen unsere Funktion eher als Präventionsbeamte“, erklärte Polizeihauptkommissar Ullrich Scherer. Die beiden Beamten erhielten bei ihrer Vorstellung durch die Oberbürgermeisterin dann auch besonders viel Applaus von den anwesenden Flüchtlingen.

Gut kamen auch die 45 Kostüme an, die Catharina Guth und Ramona Parina, von der Badischen Landesbühne, für den Abend beigesteuert hatten. Die Männer schlüpften in Glitzerfrack und Zylinder und amüsierten sich beim gegenseitigen Fotografieren. Zwischen den Ansprachen wurden Informationen über Bruchsal, Heidelsheim und Helmsheim vermittelt und Zaubertricks von Hans Alt und syrische Musik zum Besten gegeben. Das hatte die Stimmung sichtlich aufgelockert. Als die ehrenamtlichen Helfer dann auch noch ein beeindruckendes Buffet mit Selbstgemachten aufgetischt und die von Ortsvorsteherin Inge Schmidt georderten 300 Böreks auf die Tische verteilt hatten, konnte der vergnügliche Teil des Abends beginnen. Beim Einlaufen der Guggenmusiker „Nashörner“ aus Obergrombach, tanzten die Gäste bereits begeistert mit.Fotos und Bericht: Stadt Bruchsal (pa)

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