Asyl-Krise – Was denkt der Kraichgau?

Asyl-Krise - Was denkt der Kraichgau200 Menschen nehmen an Umfrage teil

Sie ist in den vergangenen Monaten das alles beherrschende Thema: – Die Asyl-Krise und ihre Folgen. Nicht nur auf europäischer und nationaler Ebene wird der massive Zustrom von Flüchtlingen diskutiert, auch in der Region ist er ein omnipräsentes Dauerthema. Besonders in den sozialen Netzwerken konzentriert sich das Sperrfeuer. Jede Meldung die im Zusammenhang mit Asylbewerbern steht, wird aufs Heftigste kommentiert. Wagt man den Blick hinter den undefinierbaren Brei aus Wahrem, Halbwahrem, Erfundenem und viel unreflektierter Emotion, so stößt man auf zwei sehr starke Gefühle: Sorge und deren Steigerung – die Angst. Am Freitag wollten wir von Ihnen wissen, wie sie sich in der aktuellen Situation fühlen und was Sie bereits erlebt haben. Dazu haben wir eine Umfrage aufgesetzt, deren Ergebnisse wir Ihnen heute vorstellen wollen.

Die Ergebnisse

Teilgenommen haben an unserer Umfrage insgesamt 200 Menschen. Da wir keinerlei persönliche Angaben abgefragt haben, können wir weder Aussagen über das Alter, das Geschlecht oder die Herkunft der Teilnehmer machen. Ebenso wenig wissen wir ob alle Teilnehmer wahrheitsgemäß geantwortet haben, aber das ist eine Einschränkung mit der jede Umfrage zurecht kommen muss. Abschließen wollen wir vor der Auswertung noch klarstellen: Die Umfrage dürfte nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten kaum Bestand haben. Die Fragen wurden zwar von zwei ausgebildeten Journalisten aufgesetzt, die aber weder ein Studium in Soziologie noch in Psychologie durchlaufen haben. Alle Fragen entsprangen dem Grundinteresse nach den oben aufgeführten Beweggründen. Inwiefern die folgen Ergebnisse als repräsentativ anzusehen sind, muss also jeder für sich entscheiden – ebenso verzichten wir auf eine abschließende Interpretation.

Frage 1: Sind Sie mit der Art und Weise wie die Politik mit der Flüchtlingskrise umgeht zufrieden?
Nein, ich bin unzufrieden 171 86%
Ja, aber es gäbe noch einiges zu verbessern 22 11%
Ja, das bin ich 4 2%
Dazu habe ich keine Meinung 1 1%
Frage 2: Wie sicher fühlen Sie sich derzeit in ihrer Region?
Es gibt Orte an denen ich mich nicht mehr zu jeder Uhrzeit aufhalten möchte 91 46%
Ich habe häufig Angst mich frei zu bewegen 39 20%
Ich habe ab und an Angst mich frei zu bewegen 33 17%
Es war schon besser 15 8%
Sehr sicher 13 7%
Wie eh und je 9 5%
Frage 3: Erfahrungen mit Flüchtlingen im Alltag
Bisher verlief alles ohne nennenswerte Vorfälle 57 29%
Ich hatte noch keinen Kontakt mit Flüchtlingen 47 24%
Ich habe sowohl gute als auch schlechte Erfahrungen gemacht 46 23%
Ich habe schlechte Erfahrungen gemacht 33 17%
Ich habe gute Erfahrungen gemacht 16 8%
Frage 4: Gibt es ein Erlebnis (positiv oder negativ) das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Bei dieser Frage wurden in einem Freitext-Feld ihre persönlichen Erfahrungen abgefragt. Wir haben uns erlaubt alle Antworten die offenkundig auf Hören-Sagen Dritter basieren zu entfernen. Ebenso wurden alle Antworten die stark beleidigend waren oder keine persönlichen Erfahrungen wiedergaben gefiltert. Rechtschreibfehler wurde nicht korrigiert.

  • Ich wurde bereits mehrfach belästigt.
  • Drei männlichen Asylanten bedrängten eine weibliche Joggerin.
  • Er kommt aus Nigeria und ist ein Buchdrucker, ein toller Mensch und eine Bereicherung.
  • Ja, nur Negative in der S-Bahn wenn sie junge Mädchen anpöbeln
  • Ich werde regelmäßig in der Stadtbahn Nachts von denen beobachtet wurde auch schon angesprochen und einmal war einer sehr aggressiv mir gegenüber weil ich nicht ein Gespräch mit Ihm führen wollte. Ab Ubstadt Ort sind es 98 Prozent Männliche Fahrgäste in dieser Bahn.
  • Nein
  • In Zügen, auf Bahnsteigen, in Supermärkten machen Flüchtlinge viel Krach mit ihren Handys, nehmen keine Rücksicht.
  • Positiv ist mir eine Unterhaltung an einem FKK-Badestrand im Gedächtnis geblieben. Wir waren eine gemischte Gruppe, im Verlauf des Tages haben sich mehrere Männer aus Afrika, genauer Gambia, einen Platz in unsere Nähe gesucht. Nach einer Weil fragte einer der Männer auf englisch ob wir vielleicht Feuer hätten und so kamen wir ins Gespräch. Die Männer machten uns Mädels natürlich Komplimente aber nachdem man eindeutig sagte dass man kein Interesse hat haben sie angefangen über andere Dinge zu reden. Welcher Arbeit wir hier nachgehen, was uns hier gefällt. Ebenso konnten wir Fragen stellen, sie erzählten uns ihre Geschichte, wie sie hier her kamen, dass sie auf Arbeit hoffen und ob wir ihnen nicht ein paar geläufige Sätze beibringen könnten. Auch hat sich offenbart dass manche der Männer zuvor schon eine Ausbildung absolviert hatten, der mit welchem ich mich unterhielt war Bauplaner (sofern ich es in dem Moment richtig übersetzt habe). Als wir gingen haben sie sich von uns verabschiedet und noch ein schönes Leben gewünscht. Natürlich kann nicht jeder so sein, aber ich denke es zeigt dass Massenhysterie nicht angebracht ist, es sind ganz normale Menschen mit einer Mutter, einem Vater, evtl. auch Frau und Kinder und keine seltsamen Wesen.
  • Ich hatte im Supermarkt Kontakt zu einem intelligenten, aufgeschlossenen und freundlichen jungen Syrier, der sehr positiv verlief.
  • ja und nein.
  • Ich wurde von einem Flüchtling begrabscht
  • Ständiges aufdringliches erbetteln auf der Arbeit. Alles soll kostenlos raus gegeben werden.
  • Bisher habe ich nur positive Erfahrungen mit den Flüchtlingen gemacht. Auf der Straße wird man mit einem „Hallo“ gegrüßt. Bei einer Spendensortierung und anschließenden Verteilung kam ein Flüchtling aus Nigeria auf mich zu, und fragte, ob er helfen könne. Dabei sind wir ins Gespräch gekommen, und es stellte sich heraus, dass die Ängste wohl auf beiden Seiten nicht gering sind. Dieser Mann auf jeden Fall ist bereit alles zu tun, um sich hier zu integrieren, und zu helfen, wo immer er kann.
  • Ich wurde beleidigt und angerempelt. Bin Fahrausweisprüferin und es war gegen seine Würde von einer Frau kontrolliert zu werden. Er war Syrier, Strafantrag gestellt, aber wurde leider niedergelegt.
  • Aggressives auftreten von Flüchtlingen
  • Habe bisher die Flüchtlinge als zurückhaltend und sehr höflich erlebt. Eine Horde junger deutscher Männer würde mich nachts an der Stadtbahnhaltestelle auch verunsichern. Die Vorkommnisse in Köln machen mir schon Angst
  • Ich hab Flüchtlinge bisher als nette und freundliche Menschen kennengelernt. Dass es wie unter allen Menschen auch schwarze Schafe gibt, ist klar. Jedoch finde finde ich es extrem schwierig, diese im ganzen doch seltenen Fälle aufzuputschen
  • Positiv: Die Gesichter, als sie sich Kleider im Depot25 in Menzingen erwerben konnten. Es waren alles glückliche und dankbare Gesichter.
  • Gespräch mt einer syrischen Frau. Sehr nett!
  • negativ: bin eigentlich eher nicht so ängstlich – war aber heute einkaufen: Pfefferspray für mich und meine Tochter – ich hab angst an Fasching alleine nach hause zu laufen….
    positiv: mein Sohn fragte vor einigen Wochen auf dem Spilplatz 2 Flüchtlingsjungen um 80 ct, da ihm sein Geld nicht zum Kauf eines Döners reichte (ja, wie peinlich ist denn das….) und er bekam ohne weiters das Geld von den Jungs. Am nächsten Tag schickte ich ihn hin um den Jungs die 80 ct mit Zinsen 😉 zurückzugeben….
  • Ich habe syrische Flüchtlinge den Park sauber machen lassen, nachdem sie alles zugemüllt hatten. Sie haben sich entschuldigt. Germany is nice, we want to keep it that we, habe ich gesagt.
  • Negativ – Mein Sohn wurde im Zug angebrüllt, weil er nicht aufgestanden ist … von einer Frau mit ca. 20 Jahren – er ist 16 Jahre.
  • Einer Freundin ist folgendes in philippsburg passiert: ein Asylant hat sich zu ihr ins Auto gesetzt als sie ihre Einkäufe vom Lidl verstaut hat. Er sagte: ficken?? Sie steigte sofort aus und schloss die Türen und rief die Polizei.Der Täter war im Auto eingeschlossen.
    Er wurde nicht bestraft. Sie hat jetzt eine Anzeige am Hals wegen Freiheitsberaubung.
  • Am 2. Weihnachtsfeiertag liefen mir mehrere dunkelhäutige junge Männer sehr dicht hinterher bis zum Bahnhof in Bruchsal.
  • Gruppen von jungen, männlichen Flüchtlingen, die lautstark durch die Gegend ziehen machen mir Angst. Ich würde mir das in einem fremden Land nie trauen.
  • Beim Einkauf fühlte ich mich sehr unwohl, als mehrere männliche Asylbewerber den Laden betraten. Ich beeilte mich, schnell zum Auto zu kommen.
  • Angepöbelt worden
  • Blöde Anmache ohne Grund
  • Besuch in München am 05.01.2016: Nach den Terrorwarnungen für München, stellte ich fest, dass ich mich überaus vorsichtig und aufmerksam bewegte.
Frage 5: Wie schätzen Sie die Zukunft angesichts der jüngsten Entwicklungen ein?
Ich befürchte es wird alles schlimmer werden 163 82%
Langfristig wird es gut werden 15 8%
Ich weiß es nicht 14 7%
Wir schaffen das 4 2%
Es wird sich kaum etwas verändern 4 2%
Frage 6: Sind Übergriffe wie in Köln nur ein Problem in Großstädten?
Nein, auch auf dem Land ist so etwas möglich 185 93%
Ja, so etwas ist nur in Städten vorstellbar
Frage 7: Wird die Flüchtlingskrise ihre Stimme bei den Landtagswahlen beeinflussen?
Ja, ich werde aus Protest dieses mal anders wählen 104 53%
Möglicherweise 68 34%
Nein, ich wähle wie immer meine Stammpartei 26 13%
Frage 8: Haben Sie das Gefühl in den Medien wird ausgewogen über die Asyl-Krise informiert wird?
Die Medien berichten im Sinne der Berliner Politik 115 59%
Nein, die Medien berichten mir zu links-orientiert 38 19%
Die Medien sind im Wesentlichen neutral und unabhängig 20 10%
Ja, das passt schon 16 8%
Nein, die Medien berichten mir zu rechts-orientiert 6 3%
Frage 9: Haben Sie Ihr Vertrauen in den Staat verloren?
Ja, der Staat lässt seine Bürger derzeit im Stich 113 57%
Ein Stück weit schon 64 32%
Nein, habe ich nicht 21 11%
Frage 10: Macht Ihnen die derzeitige Zuwanderung Angst, aber Sie äußern Ihre Meinung nicht weil Sie befürchten müssen als „rechtsgerichtet“ oder „dumm“ abgestempelt zu werden?
Ja, so ist es 139 71%
Nein, das stimmt nicht 58 29%

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