50 Jahre Städtepartnerschaft Eppingen-Wassy

Eppingen und Wassy feierten das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft

Rund 80 Franzosen aus Wassy waren am vergangenen Wochenende zu Gast in Eppingen, um das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Wassy und Eppingen zu feiern. Höhepunkt war der Festakt mit 250 geladenen Gästen am Samstagabend in der Stadthalle. Am Sonntag wurde ein ökumenischer Gottesdienst in der Katholischen Stadtkirche gefeiert. „Bilder und Fahnen einer Freundschaft“ lautet der Titel der Ausstellung im Rathaus, die anschließend feierlich eröffnet wurde.

Begründung der Städtepartnerschaft 1966

Nach vorbereitenden Gesprächen durch den damaligen Stadtrat Dr. Hans-Joachim Schröder traf am 8. Dezember 1966 ein Telegramm des damaligen Bürgermeisters von Wassy, Roger Saisdubrail, ein, in dem die Stadt Wassy das Angebot auf Schließung der Städtepartnerschaft annimmt. Am 22. April 1967 besiegelte auch der Gemeinderat in Eppingen die Partnerschaft. Gemeinsam mit ihren deutschen Gastgebern feierten rund 80 Gäste aus der französischen Partnerstadt 50 Jahre später die Goldene Hochzeit.

Lindenbaum auf dem Wassy-Platz als Symbol für eine tief verwurzelte Partnerschaft gepflanzt

Zunächst pflanzten Oberbürgermeister Klaus Holaschke, sein französischer Amtskollege Christel Mathieu und die beiden Partnerschaftsausschuss-Vorsitzenden Angelika Föringer und Emmanuel Calot am Samstagnachmittag in einer kleinen Feierstunde ein Lindenbaum auf dem Wassy-Platz. Zum 20-jährigen Jubiläum im Jahr 1987 war der frühere Goethe-Platz an der Theodor-Storm-Straße gegenüber dem Kriegerdenkmal eingeweiht worden. Die Linde, gestiftet von der Familie Tuischer, stellt das Symbol für das Weiterwachsen der Freundschaft zwischen Eppingen und Wassy dar und soll den Beginn einer neuen Ära der Partnerschaft markieren. Bedeckt wurde die Linde mit Erde vom Eppingen-Platz in Wassy, welche die Gäste aus Frankreich mitgebracht hatten. Auch zwei neue Sitzbänke werten die Grünfläche auf und sollen dazu beitragen, dass der Wassy-Platz von den Eppingern stärker als bisher wahrgenommen wird.

Kranzniederlegungen auf dem Eppinger Friedhof

Zum Gedenken an die Mitbegründer und langjährigen Wegbegleiter der Städtepartnerschaft legten Oberbürgermeister Klaus Holaschke und Partnerschaftsausschuss-Vorsitzende Angelika Föringer Blumengebinde auf den Gräbern von Rüdiger Peuckert, Herbert Lentze und Friedrich Müller nieder. „Die drei Verstorbenen stehen stellvertretend für alle Personen, die sich um die Beziehungen zwischen Eppingen und Wassy verdient gemacht haben“, betonte Oberbürgermeister Klaus Holaschke in seiner Ansprache. Als Pionierleistung und enorme Herausforderung bezeichnete das Stadtoberhaupt den mutigen Schritt der Bürgermeister Rüdiger Peuckert und Roger Saisdubrail, im Jahr 1966 Brücken zwischen den einstigen Feinden zu bauen und die Basis für persönliche Freundschaften zu legen. Gedanke sei die Aussöhnung und Völkerverständigung gewesen. Der überraschend verstorbene Herbert Lentze übernahm Mitte der 90er-Jahre die Verantwortung als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses. Über 15 Jahre lang bis 2011 machte es sich Herbert Lentze zur vornehmen Aufgabe, als Antriebsmotor und Ideengeber für viele Begegnungen für die Partnerschaft zwischen Eppingen und Wassy zu werben. Ein Höhepunkt war die Jubiläumsfeier zum 40-jährigen Bestehen 2006, die mit vielen ehrenamtlichen Helfern zu einem außergewöhnlichen Erlebnis wurde. Ein Mann der ersten Stunde, der von Anfang an viele Besuche in Wassy begleitet hat, war Friedrich Müller, in Wassy bekannt als „Papa Fritz“. Die Stadt und der Partnerschaftsausschuss gedenken der Verstorbenen in Hochachtung und Dankbarkeit.

Festabend in der Stadthalle Eppingen

Pünktlich zur Jubiläumsfeier präsentierte sich die Stadthalle nach der Sanierung des Foyers und der Sanitäranlagen in strahlendem Glanz. Nach einem Sektempfang begrüßte die Stadtkapelle Eppingen unter der Leitung des Dirigenten Patrick Morgenstern die rund 250 geladenen Gäste musikalisch. Angelika Föringer freute sich in ihrer Ansprache, dass so viele Ehrengäste sowie eine große Delegation aus Wassy mit ihren Gastgebern in Eppingen der Einladung der Stadt und des Partnerschaftsausschusses gefolgt seien. Der Honorarkonsul der Republik Frankreich, Folker Zöller, hatte als Jugendlicher selbst an zahlreichen Jugendbegegnungen von Eppingen und Wassy teilgenommen. „Der Elysee-Vertrag hat den Rahmen geschaffen, um aus Erbfeinden Erbfreunde zu machen; das Bildnis haben jedoch die Menschen gemacht, die solche Städtepartnerschaften pflegen“, sagte der Honorarkonsul. Eigens für das Jubiläum hatte die Eppinger Brauerei Palmbräu ein Jubiläumsbier mit eigenem Etikett gebraut, das die Gäste aus Frankreich als Gastgeschenke in Empfang nehmen durften. Lionel Berger von der Palmbräu, selbst gebürtiger Franzose, stellte das Jubiläumsgebräu vor. Eine Chronik der Städtepartnerschaft unter der Redaktion von Stadtarchivarin Petra Binder hält die Geschichte der Beziehungen in Wort und Bildern fest. Ein Zeitzeuge der ersten Stunde ist Lothar Auchter. Er war dabei, als der Katholische Kirchenchor 1969 erstmals nach Wassy fuhr, um eine intensive Freundschaft mit dem dortigen Choralchor einzugehen. Nach anfänglichen Ressentiments habe man beim gemeinsamen Singen in der Kirche schnell eine gemeinsame Sprache gefunden. In einer Talkrunde, moderiert vom Redakteur der Kraichgau Stimme, Alexander Hettich, blickten Oberbürgermeister Klaus Holaschke, Bürgermeister Christel Mathieu und die beiden Ausschuss-Vorsitzenden Angelika Föringer und Emmanuel Calot auf die Anfänge der Städtepartnerschaft zurück. Ein wichtiges Standbein seien die gegenseitigen Schüleraustausche. Angelika Föringer berichtete von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die ihr als Schülerin des Gymnasiums 1968 bei ihrem ersten Schüleraustausch entgegenschlug. Heute falle es schwer, junge Leute für die Partnerschaft zu begeistern. Auch verliert die deutsche Sprache im französischen Schulsystem angesichts des Leistungsdrucks immer mehr an Boden. „Egal, ob die offizielle Sprache in Englisch, Chinesisch oder Russisch ist. Hauptsache, wir verstehen uns, zur Not mit Zeichensprache“, sagte Emmanuel Calot, Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses aus Frankreich unter dem Applaus der Festgäste. „Den Auftrag von Rüdiger Peuckert und Roger Saisdubrail als Gründer der Städtefreundschaft weiterzutragen, ist auch unsere Verpflichtung“, fasste Oberbürgermeister Holaschke zusammen. Er sei zuversichtlich, dass der Generationenumbruch geschaffen und in eine lange Zukunft der Städtepartnerschaft gesehen werden kann.

Feierlich wurde es, als die beiden Bürgermeister und Ausschuss-Vorsitzenden die Urkunden zur Erneuerung der Städtepartnerschaften unterzeichneten. Gemeinsam stimmten die Festgäste die deutsche und französische Nationalhymne an, bevor zum Abschluss das Badnerlied gespielt wurde. Eine Überraschung hatten die französischen Gäste mitgebracht und zeichneten alle Eppinger Gastgeberfamilien mit Urkunden und Medaillen aus.

Ökumenischer Gottesdienst in der Katholischen Stadtkirche

Am Sonntagmorgen wurde in der Katholischen Stadtpfarrkirche in Eppingen anlässlich des Partnerschaftsjubiläums ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert. In der vollbesetzten Stadtpfarrkirche gestalteten die Pfarrer Friedhelm Bokelmann (Evangelische Kirche), Manfred Tschacher (Katholische Kirche), Steffen Peterseim (Evangelisch-Methodistische Kirche) und Karl Müller (Vineyard-Gemeinde) den Gottesdienst. Oberbürgermeister Holaschke, Bürgermeister Christel Mathieu, die Ausschuss-Vorsitzenden Angelika Föringer und Emmanuel Calot sowie Viviane Jenner-Hoffmann hielten Fürbitten. Den Gottesdienst und die Predigt übersetzten Viviane Jenner-Hoffmann und Angelika Föringer auch in die französische Sprache. Auch die Gemeindelieder wurden sowohl in Deutsch als auch in Französisch gesungen.

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