Philippsburg legt in der Standortsuche für den geplanten Stromkonverter nach

Philippsburg legt in der Standortsuche für den geplanten Stromkonverter nach
Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus

Philippsburg favorisiert Hexenblättelallee

Stromkonverter-Entscheidung soll in wenigen Wochen fallen

Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus und die Fraktions-vorsitzenden von CDU, FDP, FW und ULi fordern in einer Erklärung  das FFH-Gebiet Schutzgebiet „Hexenblättelallee“ auf der Gemarkung Lußheim als ernsthaften Kandidaten in der Standortfrage für den zu errichtenden Stromkonverter in Erwägung zu ziehen. In ihrem offenen Brief an Regierungspräsidentin Nicolette Kressl,  Dr. Werner Götz von der TransnetBW und den Vizepräsidenten der Bundesnetzagentur, Peter Franke, regen Sie eine Ausnahmeregelung für den minimalen Eingriff in das ausgewiesene Naturschutzgebiet an, da es ansonsten alle Kriterien für den am ehesten vertretbaren Standort aufweise.

Die Diskussion um den geplanten Großkonverter beschäftigt bereits seit Monaten die Politik, Betreiber und Anwohner. Der Vorstoß aus Philippsburg kommt keinen Tag zu früh – nach aktuellen Informationen soll die Entscheidung, die schlussendlich von der Bundesnetzagentur getroffen wird, bis spätestens Ende des Jahres fallen. Wir veröffentlichen das Schreiben hier im Originalwortlaut:


Standortsuche für den Bau eines Konverters

hier: Standort Hexenblättelallee, Gemarkung Altlußheim
Sehr geehrte Frau Kressl,

seit fast zwei Jahren ist die Stadt Philippsburg mit der Suche nach einem geeigneten Standort für den Konverter, der im Rahmen der Energiewende für die geplante Stromtrasse Osterath – Philippsburg notwendig sein soll, konfrontiert.
Obgleich von der Stadt Philippsburg nach wie vor in Frage gestellt wird, ob die Erstellung dieser Stromtrasse und damit auch ein Konverter notwendig sind, wurde das Projekt jederzeit von der Stadt Philippsburg konstruktiv begleitet und ein Standort in größtmöglicher Entfernung zur Wohnbebauung gesucht.

Unter vielen Alternativstandorten, die ausnahmslos von der Stadt Philippsburg aufgezeigt wurden, befindet sich auch der Standort des ehem. Munitionslagers Kirrlach im Gewann Hexenblättelallee auf Gemarkung Altlußheim. Dieser Standort liegt im FFH-Gebiet „Lußhardt zwischen Reilingen und Karlsdorf“. Dieses FFH-Gebiet hat eine Größe von ca. 5.000 ha, die gesamte Konverteranlage würde eine Fläche von 10 ha beanspruchen, das entspricht 0,2 % der Fläche des gesamten FFH-Gebiets. Und auch diese Fläche in der Stufe 3 wird nur knapp zur Hälfte überbaut werden.

Das Munitionsdepot Kirrlach hatte eine Größe von ca. 30 ha, bebaut mit Bunkern, Straßen und Infrastrukturgebäuden, lediglich 1/3 der damaligen Fläche würde für den Konverterstandort benötigt. Dies zeigt, dass das FFH-Gebiet nur geringfügig und peripher belastet werden würde. Im Rahmen einer wohl stattfindenden Güterabwägung müsste die nur geringfügige Belastung des FFH-Gebietes entsprechende Berücksichtigung finden.

Des Weiteren weisen wir darauf hin, dass die betrachtete Fläche im Augenblick keine geophytenreiche Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-Wald-Vegetation aufweist, sondern dass sich auf dem mit Bunkerabbruchmaterial überschütteten Gelände des ehemaligen Munitionsdepots lediglich eine Ruderalflora ausgebildet hat. Dies kann man auch ohne detaillierte Voruntersuchung der betroffenen Fläche sofort erkennen. Im gesamten FFH-Gebiet stehen 13 Arten unter besonderem Schutz. Alle diese Arten finden in dem in Frage kommenden Gebiet weder Wohn- noch Jagdrevier.

Von allen betroffenen Standortgemeinden wird immer wieder ein größtmöglicher Abstand des Konverters zur Wohnbebauung gefordert, einerseits wegen der Geräuschemissionen und andererseits wegen der nicht auszuschließenden Auswirkungen von elektromagnetischen Wellen auf die Gesundheit der Menschen. Der Standort Hexenblättelallee würde beiden Risiken Rechnung tragen. Der Abstand zur ersten Gewerbebebauung beträgt 1 km, die Geräuschemissionen werden durch das umgebende Waldgebiet aufgehoben. Auch dies wäre in eine Güterabwägung miteinzubeziehen.

Zu denken geben sollte auch, dass eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung/Schädigung durch den Betrieb des Konverters an wohnungsnahen Standorten von den Anwohnern auf Dauer nicht hingenommen werden würde. Rechtliche und/oder faktische Maßnahmen könnten zur baldigen Stilllegung des Konverters führen. Welch enormes Risiko für den Betreiber?

In Anbetracht der jüngsten Terroranschläge in Paris wird man ohne vorherige Gefährdungsanalyse keine gerichtlich belastbare Entscheidung fällen können. Das Gefährdungspotential terroristischer Anschläge wächst mit jedem Meter, dem sich der geplante Konverter dem atomaren KKP-Standort nähert.

Letztendlich stellt sich die Frage, welches Gut höher zu bewerten ist, der Schutz einer Ruderalflora und –fauna auf einem ehemaligen Munitionsdepot oder die Gesundheit und Gefährdung vieler anwohnender Menschen.

Wir fordern Sie deshalb nochmals nachdrücklich auf, eine Ausnahmegenehmigung für diese Teilfläche im FFH-Gebiet zuzulassen, damit das größte Naturschutzprojekt des Jahrhunderts, die Energiewende, einer menschenverträglichen Lösung zugeführt werden kann. Was im Rahmen der Landesverteidigung möglich ist, sollte im Rahmen der Energiewende erst recht möglich werden.
Ermöglichen Sie eine Ausnahmegenehmigung auf 0,2 % der Fläche des FFH-Gebiets für den Bau des Konverters.

Stefan Martus, Bürgermeister
Hans-Gerd Coenen, Fraktionsvorsitzender CDU
Christopher Moll, Fraktionsvorsitzender FW
Joachim Pöschel, Fraktionsvorsitzender SPD
Ingo Kretschmar, Fraktionsvorsitzender ULi

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